Leonard Cohen "Dear Heather"

Samstag, 28. März 2015

Cohen hat mit seinem neuen Album einen neuen Meisterwurf in der Musikgeschichte gelandet. Erneut interpretiert er mit seiner Partnerin Sharon Robinson gemeinsam geschriebene Texte. Auch er war Lyriker und Poet, schrieb elf Romane und Gedichtbände. Und was liegt da näher, als diese Wortspiele mit einer Melodie zu unterlegen und tiefgründige Songs zu komponieren? Obwohl Cohen eine eher monotone, tiefe Stimme hat, schafft er es immer wieder, inhaltlich tiefgründige Songs mit harmonischen Wendungen zu komponieren. Geschickte Instrumentierung geben dem Album eine unbeschreibliche Wirkung, es gefällt auf Anhieb, und auch beim zehnten Mal hören, und - so hoffe – ich, auch nach dem hundertsten Mal Hören. Ob Track vier mit den luftigen Tenorsaxophonklängen, die in die soulige Stimme von Robinson überleiten und sich im Duett mit der rauchigen monotonen Stimme von Cohen paart. Oder Track 7, der zu Beginn ein Gedicht ist und erst nach 30 Sekunden mit einfachsten Klängen zu einem Lied wird. Monotone Melancholie und gerade richtig für diese emotionsgeladenen Worte! Bedacht darauf, mit seiner Hintergrundmusik nie zu stark von den berührenden, einfühlsamen Texten und dem wahren Inhalt der Songs abzulenken. Wie bei Ben Harper ist bei Leonard Cohen eine tiefe Verbundenheit zu Spirituellem zu spüren. Verbrachte er doch vor seinem letzten Album aus dem Jahre 2001 "Ten new Songs" sieben Jahre in einem kalifornischen Zen-Kloster. Zwischenzeitlich hat sich Leonard Cohen auf den buddhistischen Glaubensweg begeben. Meiner Meinung nach gibt das seinen Texten noch mehr Weltoffenheit und sanftes Hinterfragen, andere Perspektiven und Blickwinkel. Nach diesem Album folgen nun drei Jahre später 12 neue Studiosongs und der "Tennessee Waltz" als Country-Live-Version. Dieser Song holt mich wieder zurück aus meinen Höhenflügen und Gedankenspielen. Obwohl ich leider viel zu wenig Englisch verstehe, fühle ich mit den Harmonien, was gemeint ist. Wenn ich meinen Geist öffne, bin ich empfänglich für die poetischen Redewendungen. Wer sich intensiver mit Leonard Cohen auseinander setzen möchte, kann bei uns das Buch von Ira Nadel "Ein Leben für die Poesie" kaufen. Informativ, umfänglich und süffig geschrieben.

© Sylvia Meyer - Januar 2005